Kreativität, Vergleiche und Achtsamkeit 

 

Manchmal ist da einfach nur dieses leere Gefühl. Das Gefühl, dass da einfach nichts mehr ist. Alles zieht an einem vorbei, alle wirken nur noch schneller, noch effektiver, noch mehr, als hätten sie dieses verrückte Leben einfach so viel besser verstanden als du. Wie man so schön sagt, ist Quantität nicht Qualität. Nicht aber in Zeiten von Instagram und TikTok, in der du die größte qualitative Quantität haben kannst, die es nur geben kann. Während du noch in deinem Bett versuchst vor dem flimmernden Bildschirm die Augen zu öffnen, steht der eine oder die eine in Bali unter einem Wasserfall, der oder die andere zeigt seine Bauchmuskeln, der oder die andere ihre Morningroutine, jemand anderes hält seinen oder ihren neuen Welpen ins Bild.

 

Eine Welt in der wir uns dauernd vergleichen — schneller, besser, mehr. Aber auch eine Welt der unfassbaren Möglichkeiten. Ein virales Video und das Business läuft. Eine Welle der Informationen bricht über uns hinein. Es gilt die Relevanz der Dinge deuten zu können. Irrelevanz erkennen zu können ist ein Segen, es selber zu sein, eine hemmende Angst. Einschlafen zu können, ohne die Angst etwas zu verpassen, ohne Existenzängste will hart erlernt sein. Doch jeder Tag, an dem man sich nicht fragt, „Warum schafft sie oder er das und ich es nicht? Warum hat er oder sie das und ich das nicht?“, ist ein gewonnener Tag. In jeder Sekunde, die man versucht diese gewonnene Zeit in seine eigenen Ideen zu investieren, in der man schafft, sich auf sich selbst zu konzentrieren, wird man Stück für Stück glücklicher. Nichts ist schöner als eine Vision, ein Ziel, eine Arbeit, die einen fesselt. Wir haben so viele Möglichkeiten, dass sie uns fast erschlagen, dass wir gehemmt sind von der Vielfalt. Beginnen wir aber uns zu fragen, was wir wirklich lieben, was uns interessiert, was uns begeistert, lähmen uns die Möglichkeiten nicht mehr, sondern sind eine Chance, seinem Leben eine noch größere Bedeutung zu geben. Der Sinn des Lebens besteht größten Teils im Leben selbst, wenn man dieses also mit Menschen und Dingen verbringt, die einen bereichern, die einen über sich hinaus wachsen lassen, dann lebt man sein bestes Leben. Nicht ein Leben für andere, sondern ein Leben für sich selbst. Nichts ist schöner, als ein Mensch, der für seine Sache brennt, Leidenschaft hat und bereit ist über alle Hürden zu gehen.

 

Oft habe ich mich bei Radsportler:innen gefragt, warum sie bereit sind, in sengender Hitze, die steilsten Berge, nach 300 km immer noch mit solch einem Elan zu erklimmen. Wofür? Der Kampf während dieser Kilometer ist auch ein Kampf mit anderen, aber vor allem ein Kampf mit sich selbst. Selbst über sich hinauszuwachsen, über jeden Schmerz zu gehen, jede Hürde zu meistern. Damit sage ich nicht, dass jede:r Radsportler:in unfassbar glücklich ist, mit dem was er oder sie macht, aber eine ordentliche Portion an Traum, Vision, Kampfgeist und ein Hauch von Wahnsinnigkeit in sich tragen muss, um sein oder ihr Leben für diesen Sport zu riskieren. Genau diese Leidenschaft und dieser Ehrgeiz für Dinge hält einem am Leben.

 

Unser eigener Teich kann so reich an Pflanzen, Fischen, an Leben sein. Geben wir aber zu viel Energie und Kreativität an Menschen, die den Teich nicht ebenso füllen, wird unser Teich leer und leblos. Es ist also wichtig, sich um diesen Lebensraum zu kümmern, auf ihn zu achten und ihn auch wieder die Chance zu geben zum Leben zu erwachen.

 

- Josephine Joseph
 

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