Prolog
Keine Sorge, das ist nicht noch ein Text zum Thema How to be happy von wegen mache 5-mal täglich Sport und sage dir 7-mal wie toll du bist. Mir ist klar, dass es bereits unzählige Beiträge gibt, die der Frage nach dem persönlichen Glück nachjagen und mit verheißungsvollen und endgültigen Antworten locken. Viele Bücher oder YouTube Videos dieser Art hinterlassen langfristig Verwirrung, Enttäuschung oder Wut. Wem es ähnlich geht, den lade ich dazu ein, sich mit mir auf eine kleine Gedankenreise zu begeben.

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Der Ausdruck „glücklich zu sein“ legt nahe, dass es sich dabei um eine Aktivität handelt. Manch einer ist glücklich im Moment der Geburt seines Kindes oder war es, als er seinen Job kündigte. Allerdings können die genannten Beispiele auch zum Drama werden. Ein „ungewolltes“ Kind oder gegen den eigenen Willen gekündigt zu werden, ist für den Betreffenden nicht schön. Daraus schließe ich, dass das Objekt, auf das sich die Freude bezieht, austauschbar ist, somit ist die Beschäftigung mit den Objekten eine Sackgasse. Was bedeutet es also dann, glücklich zu sein? 
 Wir kommen der Antwort vielleicht näher, wenn wir die Frage etwas umstellen. Welche Gemeinsamkeit besitzen die „glücklichen“ Momente? Allen Situationen ist gemein, dass die involvierten Personen das Geschehen in der jeweiligen Situation voll und ganz akzeptierten. Das bedeutet im Umkehrschluss: wünsche oder möchte ich etwas, dass nicht Inhalt der jeweiligen Situation ist, bin ich unglücklich. Wie schön kann es sein, mit herzhaftem Appetit am gedeckten Tisch Platz zu nehmen, welch eine Qual mit vollem Bauch noch weiter zu essen. Das ist ein sehr eindringliches, weil körperliches Beispiel. 


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Das Annehmen und Ablehnen von Situationen findet ständig statt, zum Beispiel verkörpert durch die Stimmen unserer Gedanken, die uns eine Geschichte über die Situation erzählen, in der ich mich gerade befinde. Anders ausgedrückt, wir bewerten die Situation. Vielleicht wittert jemand an dieser Stelle schon den Konflikt mit der Außenwelt. Zu Wählen bedeutet zwangsläufig auch auszuschließen. Wir geraten auf diese Weise in einen Konflikt mit der Tatsache, dass das was wir Gegenwart nennen, nicht anders sein kann, als es in diesem Moment ist. Beispielsweise kann ich zur gleichen Zeit nicht liegen und stehen. Das bedeutet, indem ich die jeweilige Situation, als schlecht bewerte, stoße ich mit der Gegenwart zusammen und erzeuge einen unausweichlichen Widerstand gegen das was ist.
 Wie hat Bruce Lee einst so schön gesagt: „Be Water my Friend“. Ich konnte mir lange darunter nichts vorstellen, bis ich mir etwas Zeit genommen habe, um einen Fluss zu beobachten. Wasser fließt bzw. umfließt Hindernisse auf intelligente Weise, zum Beispiel Steine oder Äste, die sich dem Fluss in den Weg stellen, es findet einen Weg.

- Victor Mateffy